9/11 – Ein Terroranschlag mit lebenslangen psychischen Folgen?
Shownotes
Kapitelmarken: (00:00) Intro (02:47) Meine Eindrücke in New York (12:13) Béla Anda über seine Zeit als Regierungssprecher (13:40) Die größten Missverständnisse über Depression (19:58) Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Carsten Maschmeyer (28:19) Was ist die Vision von Florian Holsboer? (32:16) Was ist ihr Geheimnis?
Über den Experten: Prof. Florian Holsboer ist einer der weltweit renommiertesten Neurowissenschaftler und Depressionsforscher sowie Deutschlands bekanntester Psychiater. Als ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie erforschte er die Zusammenhänge zwischen Stress, Depression, Angst und Schlafstörungen. Er gilt als Pionier der personalisierten Medizin in der Psychiatrie. Seine Überzeugung: Depression ist heilbar – mit der individuell richtigen Therapie.
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Partner dieser Folge: Björn Steiger Stiftung
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Transkript anzeigen
00:00:00: Uns war allen klar,
00:00:02: dass es ein gravierendes Ereignis,
00:00:05: dass die Welt danach nicht mehr genau die gleiche sein.
00:00:09: der Öffentlichkeit war damals noch sehr... Ja der ist
00:00:14: halt nicht hart genug und er reißt sich nicht zusammen.
00:00:18: Und dieses sich nicht zusammenreißen können,
00:00:21: das ist immer etwas, was viele,
00:00:23: die kein Verständnis für das haben, was eine Depression ist,
00:00:27: immer wieder erwähnt wird und gesagt wird Und
00:00:30: vorgeworfen wird.
00:00:31: ja, also man hat natürlich mit 80 dann auch schon
00:00:34: so paar Zipperlein aber das ist ja auch in Ordnung und ich
00:00:37: kann damit aber gut umgehen.
00:00:38: Und ich erfreue mich natürlich zweier Dinge.
00:00:41: Einmal im privaten Bereich, meine kleine Familie,
00:00:46: die mich sehr glücklich macht,
00:00:47: aus der ich viel Kraft beziehe.
00:00:49: Aber auch einen großen Freundeskreis.
00:00:52: Ich gebe zu, ich feiere gerne.
00:00:54: Wir haben immer so einen Tisch auf dem Motor fest gehabt.
00:00:57: Oder dieses Jahr haben wir weil ich 80 wurde,
00:01:00: mal eine Riesenpartie gefeiert mit über 100 Leuten.
00:01:03: Die war auch ziemlich gut und das mache ich auch gerne.
00:01:07: Also ich schöpfe aus der Familie und aus dem Freundeskreis
00:01:10: im privaten Bereich schon Kraft,
00:01:13: denn man muss sich vorstellen, wenn man Jahrzehnte,
00:01:15: ein ganzes Leben dieser Frage,
00:01:18: wie kann ich die Depressionsbehandlung verbessern,
00:01:22: gearbeitet hat.
00:01:23: Am Ende der Karriere ist dann doch
00:01:26: so ein Silberstreif oder ein Licht am Ende des Tunnels zu
00:01:30: sehen, dann ist das auch schon auch sehr beglückend.
00:01:40: Sie Haben eine ganz
00:01:44: besondere Erfahrung gemacht, auch schrecklich,
00:01:47: aber gleichzeitig auch eine der
00:01:52: herausragendsten Ereignisse,
00:01:54: auch umstürzterischsten Ereignisse,
00:01:56: die wir in diesem Jahrhundert auf
00:02:00: jeden Fall hatten.
00:02:01: Gleich am Beginn 9-11, also der 11.
00:02:05: September 2001,
00:02:08: als zwei Flugzeuge in die beiden Towers des damals noch
00:02:12: stehenden World Trade Centers geflogen sind und gleichzeitig
00:02:16: ein Flugzeug, nicht gleichzeitig, wenig danach ein Flugzeug,
00:02:19: eben stürzte oder zum Absturz gebracht wurde ins
00:02:22: amerikanische Verteidigungsministerium,
00:02:25: jetzt Kriegsministerium ins Pentagon und dort mehrere dieser
00:02:29: Ringe durch Bord hat,
00:02:30: auch massive Schäden hervorgerufen und ein letztes Flugzeug,
00:02:34: das wurde dann offenkundig von Passagieren zum Absturz
00:02:37: gebracht, das eigentlich das Ziel hatte,
00:02:40: Weiße Haus zu treffen, wenn es richtig ist,
00:02:43: was da berichtet wird.
00:02:46: Sie waren da in New York?
00:02:49: Ja, ich war am Abend vorher mit ein paar
00:02:54: Kollegen in New York beim
00:02:59: italienischen Restaurant war da im Board von einer
00:03:02: Biotech-Firma und der Chef von dieser Biotech-Firma,
00:03:06: das war ein halb Israeli, halb Iraki und es war
00:03:11: so eine tolle Zeit, anything goes,
00:03:13: es war positiv und ich habe ihn gefragt,
00:03:18: ne, das ist es nicht toll,
00:03:20: irgendwie läuft alles gut und er hat gesagt, Florian,
00:03:23: there is one threat, also Florian,
00:03:25: das ist eine Bedrohung und das ist der Kampf des Islam gegen
00:03:28: den Rest der Welt und zwölf Stunden später knallts.
00:03:32: Zwölf Stunden später knallts,
00:03:33: wo waren Sie, als es geknallt
00:03:35: Hat? Also ich plante,
00:03:36:
00:03:37: zum Flughafen zu fahren und habe meinen Koffer gepackt,
00:03:40: schaue dabei zum Fenster raus und sehe,
00:03:43: wie da ein Flugzeug fliegt, großes Flugzeug,
00:03:47: das sich auf den Overtrade Center Turm zubewegt
00:03:53: und da hineinkracht, also da ist man natürlich,
00:03:57: da ist man fassungslos,
00:03:59: da weiß man gar nicht was man sagen oder denken soll und
00:04:02: dann kam gleich das Zweite,
00:04:04: einiger Zeit und das Flug auch noch rein und der Zweite ist
00:04:07: ja dann als Erster zusammengestürzt und eine
00:04:10: unglaubliche Staubwolke, da anstand,
00:04:14: der Wind kam am Anfang auch von New Jersey,
00:04:16: hat das erst rüber geblasen und dann wieder zurück und
00:04:20: ja also… Wo
00:04:22: Waren Sie in dem Moment, als die Tower einstürzten?
00:04:24: Ich war im Hotel, im Millennium Hotel, also dem,
00:04:29: das nicht ganz nah dran ist, so ungefähr, glaube ich,
00:04:31: so acht Blocks entfernt von der Cannon Street und
00:04:35: da habe ich dann natürlich zum Fernsehen
00:04:40: angeschaltet und da war auch schon alles los und dann kamen
00:04:45: die Sirenen von allen Seiten,
00:04:48: also man war völlig sprachlos und ich muss sagen,
00:04:53: ich hatte schon auch Angst, dass jetzt was Größeres losgeht,
00:04:57: man kann ja nicht wissen,
00:04:59: ob das jetzt aufhört oder ob da weiter Flugzeuge da in die
00:05:03: Häuser reinplumpsen und
00:05:07: ein massenhaftes Morden auslösen und ja,
00:05:12: dann war aber dann Ruhe,
00:05:15: was Flugzeuge betrifft und ja man machte dann
00:05:19: so Übersprungshandlungen,
00:05:20: also erst habe ich mir bin ich was essen gegangen.
00:05:24: Und das lief noch alles,
00:05:25: konnte man auf die Straße gehen einfach oder war man von?
00:05:28: Man konnte auf die Straße gehen, ja.
00:05:30: Man hat ja diese Bilder vor sich,
00:05:31: wo Leute dann von Staub überzogen sind.,
00:05:34: Die waren näher dran, also die unmittelbar dort waren,
00:05:37: die sind da richtig voll Staub gewesen.
00:05:41: Bei uns kam der Staub dann auch rüber,
00:05:43: je nach Windrichtung das wechselte immer so bisschen
00:05:46: und ich habe dann einen Sandwich gegessen.
00:05:51: Da war wahrscheinlich totale Panik um dich rum.
00:05:53: versuchte mich dem zu entziehen, ich war da so,
00:05:57: jetzt esse ich erst mal was.
00:05:58: bin Nachrichtsgeneration, da schaut man zunächst einmal,
00:06:02: dass der Magen was hat.
00:06:04: Wenn man weiß, es gibt es nicht mehr.
00:06:06: Und dann ja, dann habe ich also, ich zum Friseur.
00:06:11: Auch ein bisschen irre,
00:06:12: Oder? Ja war,
00:06:13: der war war ganz aufgeregt und war ganz glücklich,
00:06:16: da war natürlich sonst niemand drin und dann habe ich
00:06:18: mich mit dem unterhalten.
00:06:19: Das war ein Italiener, der mir die Haare geschnitten hat,
00:06:24: zumindest ein bisschen was von dem was noch da ist.
00:06:28: ja, da habe ich irgendwie, ich wollte mich austauschen.
00:06:32: Im Hotel wollte ich mich nicht gern austauschen,
00:06:35: weil da habe ich dann bin ich eben runter zu dem Empfang und
00:06:40: dann hat er mir gleich mitgeteilt,
00:06:41: dass jetzt der Preis erhöht würde. Der
00:06:43: Preis wurde erhöht fürs Zimmer nach 9-Eleven.
00:06:47: Ja, da habe ich mich schon auch mit dem geschimpft,
00:06:51: weil er hier Geschäfte aus einer humanitären Katastrophe
00:06:54: macht und das sei doch nicht in Ordnung.
00:06:57: Und da hat er mir eben lachend gesagt, it's season for us.
00:07:00: It's season for us Ja.
00:07:02: Und also das war kein Gesprächspartner,
00:07:05: den ich wollte und dann war ich sie
00:07:07: Wollten sich austauschen,
00:07:09: Involvieren, weil..., darüber reden,
00:07:10: also man ist ja da ganz allein mit dieser Situation.
00:07:14: Und dann bin ich zum Friseur und da bin
00:07:16: ich wieder auf meinem Zimmer. War
00:07:18: Das ein bewusster Akt?
00:07:20: Ich meine ich frage den hochdekorierten,
00:07:22: einen der größten Psychiater unserer Zeit,
00:07:25: war das ein bewusster Akt, sich zu sagen, das ist ein
00:07:30: so traumatisches Erlebnis für die Weltbevölkerung?
00:07:33: War es ja auch.
00:07:34: Ich bin hier vor Ort, wie komme ich damit klar,
00:07:37: ich tausche mich am besten aus,
00:07:41: ohne despektierlich gegenüber Friseuren zu sein,
00:07:44: egal mit wem.
00:07:45: Also das war kein wohl überlegtes
00:07:49: Selbsttherapieweg, den ich da eingeschritten habe,
00:07:52: sondern ich war da allein.
00:07:54: hatte da meinen Sandwich gegessen und dachte,
00:07:57: und jetzt jetzt möchte ich mit jemandem. Und...
00:08:00: Darüber reden. Darüber
00:08:01: reden, ja.
00:08:03: Ja und dann bin ich dahin und hab dann mit ihm,
00:08:08: während er da bisschen an meinem Kopf rumfummelt,
00:08:10: da er dann, weil viel ist er da nicht zu schneiden,
00:08:14: dann haben wir dann über alles Mögliche geredet,
00:08:16: was das denn betrifft und...
00:08:18: Erinnern Sie noch Teile der Unterhaltung?
00:08:21: Ja er hat natürlich da geschimpft auf
00:08:26: die Täter, die kann man ja verstehen,
00:08:31: und dass überhaupt die ganze Welt in Unordnung geraten sei
00:08:34: und was man halt dann so hört.
00:08:36: Und das hat mir dann auch gut getan,
00:08:38: dann bin ich wieder rauf auf mein Zimmer,
00:08:41: hab versucht zu telefonieren, was nicht ging,
00:08:43: weil man nicht rauskam.
00:08:44: Ich wollte ja auch mitteilen zu Hause,
00:08:48: dass alles okay ist.
00:08:49: Und dann kam plötzlich ein Anruf von der
00:08:54: Generalsekretärin der Max-Planck-Gesellschaft, ja,
00:08:58: wir überlegen gerade, wie wir sie da rausholen können.
00:09:01: Da hab ich gesagt,, so liebe Frau Bludaum,
00:09:04: das wird nicht gehen.
00:09:05: Das ist alles isoliert, hier kommt keiner rein,
00:09:08: hier kommt keiner raus.
00:09:10: Wir müssen warten,
00:09:11: man wieder fliegen kann und dann bin ich zum
00:09:16: Flughafen und da sind dann dann haben die Leute
00:09:20: so ihre 100-Dollar-Noten hin und her geschoben,
00:09:24: um da Sitz zu kriegen im Flugzeug und das sind ja auch dann
00:09:28: absurde Sachen, dann wollte jemand dass ich mich ausweise,
00:09:32: ja, wie in meinem Pass gesagt habe ja haben sie auch ein
00:09:35: Foto von sich.
00:09:36: Da hab ich gesagt, ja, hab ich,
00:09:37: dann hab ich ihnen das Foto gezeigt, meine,
00:09:40: natürlich kann man da zufällig ein Foto dabei haben,
00:09:42: also es war alles irgendwie, Und
00:09:45: Der Pass ist ja in diesem Foto,
00:09:47: Eben eben aber sie wollte ein anderes Foto,
00:09:49: die war auch sehr durcheinander.
00:09:51: Nun irgendwie landete ich dann auch ohne jemand bestochen zu
00:09:54: haben auf einem Sitz und konnte dann auch zurück nach
00:09:57: München fliegen und da war ich dann schon sehr froh Also ich
00:10:01: hab dann auch keine posttraumatische Belastungsstörung
00:10:04: davongetragen, aber meine
00:10:07: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die haben dann schon mal
00:10:10: hinterher gesagt, na irgendwie waren sie
00:10:13: so besonders bedächtig.
00:10:17: Ich hab das natürlich abgelehnt und gesagt ich bin immer
00:10:19: bedächtig, aber ich weiß schon was sie gemeint haben,
00:10:22: wir haben da auch bisschen darüber gescherzt.
00:10:24: Was meinte sie?
00:10:25: Na er meinte, dass ich irgendwie, ja,
00:10:29: ich weiß auch nicht genau, was sie meinte, aber
00:10:31: so im Sinne etwas
00:10:34: zurückgehalten, etwas weniger spontan
00:10:38: so eben bedächtiger.
00:10:40: Und haben Sie irgendwelche Gedanken in dem Zusammenhang
00:10:44: gehabt, wie schnell alles, im wahrsten Sinne des Wortes,
00:10:47: einstürzen kann, wie nah man an Katastrophen sein kann,
00:10:52: ja, sowas in der
00:10:54: Art? Ja, hatte,
00:10:55:
00:10:55: also als Nachkriegskind hatte ich natürlich schon die Angst,
00:10:59: das jetzt weitergeht.
00:11:04: Man kann ja nicht wissen,
00:11:05: das ist ja schon auch eine Kriegserklärung und wer hilft
00:11:10: uns, was bedeutet das für uns, ist das ein Einzeltat.
00:11:13: Mir wurde dann relativ schnell klar, das war schon auch,
00:11:17: ich traf dann auch viele Amerikaner in diesen fünf Wochen,
00:11:20: standen da mit so Kerzen, Ketten gebildet,
00:11:24: standen da alle mit der Kerze auf der Straße und irgendwie,
00:11:28: irgendjemand hat dann auch gebetet und das war schon alles
00:11:32: sehr ergreifend und uns war allen klar,
00:11:35: das ist ein gravierendes Ereignis,
00:11:39: die Welt wird danach nicht mehr genau die gleiche sein,
00:11:42: vor allem für die Amerikaner,
00:11:44: die sich natürlich in ihrem Hegemonialanspruch auch für
00:11:48: unverletzbar gehalten haben, dass ihnen da
00:11:52: so etwas passiert und die Folgen kennen wir
00:11:57: ja, dann kamen diese ganzen Kriegsgeschichten in Irak und
00:12:01: so weiter, also das war schon eine schlimme Zeit,
00:12:05: da begonnen hat, auch eine Zeit,
00:12:07: die Welt bleibend verändert hat und das wird nie mehr
00:12:11: wieder so sein wie vorher.
00:12:13: Es gab dann das erste große Engagement der Bundeswehr im
00:12:16: Ausland, Afghanistan war das und da wurde die Freiheit am
00:12:20: Hindokusch verteidigt,
00:12:22: wie der damalige Verteidigungsminister Peter Struck gesagt
00:12:24: hat, es gab am Abend von dem 11.
00:12:27: September eine große Solidaritätskundgebung vor dem
00:12:30: Brandenburger Tor mit fast dem gesamten Kabinett damals,
00:12:34: viele Menschen die sich da solidarisiert haben,
00:12:37: auch mit Amerika und gegen die Angriffe,
00:12:40: das war schon sehr sehr bewegend ich erinnere mich,
00:12:42: ich war ja damals wie gesagt Regierungsprecher als
00:12:45: Regierungsprecher nimmt man teil an den Kabinettsitzungen,
00:12:48: mein Platz im Kabinett war immer so, dass ich rausguckte,
00:12:51: da gibt es eine Reihe da guckt man quasi gegen eine Wand und
00:12:54: eine andere da guckt man ins Fenster und es flogen damals
00:12:57: immer Flugzeuge gar nicht
00:13:00: so weit entfernt parallel im Grunde zu diesem Fenster,
00:13:04: denn wir da saßen morgens ab 9.30 Mittwochs und
00:13:09: ich habe, ich erinnere mich gerade dran,
00:13:12: also auch das ist irgendwo, ich habe diese Erinnerung nie,
00:13:16: kam nie hoch, aber gerade in dem Moment wo wir sprechen und
00:13:18: ich dachte, was ist, das war dann nach 9.11,
00:13:21: wenn einer dieser Flieger jetzt mal abknickt und in unsere
00:13:25: Richtung fliegt, es war ja, jeder wusste,
00:13:27: dass um halb 10 Mittwochs morgens Kabinett war und ich habe
00:13:30: mich immer gewundert, warum diese Flugzeuge dann eben
00:13:32: so nah da dran fliegen,
00:13:33: tun sie glaube ich nicht mehr aber auch das ist
00:13:36: so tief in mir geblieben.
00:13:40: Es wird heutzutage mehr über Depression geredet als früher,
00:13:44: aber was sind die größten Missverständnisse die es gibt,
00:13:48: wenn in der Öffentlichkeit über Depression gesprochen
00:13:52: Wird? Nun
00:13:53: es hat lange die Meinung gegeben,
00:13:57: dass Depression eben doch irgendwie ein schwacher Charakter
00:14:00: ist und ich erinnere mich noch,
00:14:05: als Sebastian Deißler eine Depression hatte
00:14:08: Der große Fußballer, das riesige Talent vom FC Bayern.
00:14:12: Der für 20 Millionen, das war damals unglaublich viel,
00:14:17: Berlin nach München kam und ein großer Hoffnungsträger war
00:14:21: und dann an einer schweren Depression erkrankt war,
00:14:25: dann war es dann schon solche Charakten die da hochgehoben
00:14:29: wurden, wo Weichheit drauf stand und das ist natürlich
00:14:32: schrecklich gewesen.
00:14:33: Inklusive von seinem damaligen Trainer Felix Magath.
00:14:36: Felix Magath war ja auch jemand,
00:14:39: überhaupt kein Verständnis für
00:14:41: so etwas hatte und er hat ihn auch nicht gut behandelt,
00:14:44: vor allem, dass er dann später wieder spielen konnte
00:14:49: und im Training von einem Kollegen da schwer verletzt wurde
00:14:53: und wieder wieder ausfiel,
00:14:55: nie an großen Turnieren teilnehmen konnte und das war ein
00:14:59: schweres Schicksal für ihn und in der
00:15:04: Öffentlichkeit war damals noch sehr,
00:15:09: ja der ist halt nicht hart genug und er reißt sich nicht
00:15:12: zusammen und dieses sich nicht zusammenreißen können,
00:15:16: das ist immer etwas, was viele,
00:15:18: die kein Verständnis für das haben, was eine Depression ist,
00:15:22: immer wieder erwähnt wird und gesagt wird und vorgeworfen
00:15:26: wird und das ist etwas,
00:15:27: was natürlich furchtbar ist und genauso ist es furchtbar,
00:15:30: wenn man meint, da gibt es so einen Fernseharzt, der sagt,
00:15:34: ja man muss doch mehr Humor einbringen und
00:15:38: lauter so ein Blödsinn,
00:15:39: also wenn Sie einen Menschen mit Depressionen meinen,
00:15:43: sie helfen ihm, indem wir sie im Witze erzählen,
00:15:46: dann fühlt er sich sehr unverstanden und all diese Dinge,
00:15:49: die sind jetzt noch nicht weg,
00:15:51: aber sie treten allmählich in den Hintergrund auch durch
00:15:55: gute Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel durch die deutsche
00:15:59: Depressionshilfe und viele andere Dinge und das ist etwas,
00:16:04: wo wir weiter daran arbeiten müssen und vor allem auch geht
00:16:08: damit Hand in Hand die Notwendigkeit,
00:16:12: die Stigmatisierung zu überwinden,
00:16:14: etwa wenn einer eine schwere Depression hat,
00:16:17: eine schwere lebensgefährliche Erkrankung und wenn man ihnen
00:16:21: dann sagt, reiß dich zusammen,
00:16:23: dann ist es genauso wie wenn Sie jemanden mit einem Tumor
00:16:25: sagen, komm, reiß dich zusammen,
00:16:28: da hilft auch nicht und deswegen bin ich froh,
00:16:32: dass das aufwärts geht damit.
00:16:35: Wie hat sich die medizinische Sicht auf Depressionen in
00:16:38: den letzten 10 oder 15 Jahren verändert?
00:16:42: Also ich will mal einen Satz ins Altertum gehen,
00:16:46: früher hat man psychische Erkrankungen im
00:16:50: Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auch mit einer
00:16:54: Verschiebung der Körpersäfte interpretiert und
00:16:58: einer dieser vier Säfte war die Schwarze Galle.
00:17:03: Schwarze Galle heißt auf Lateinisch Melancholia.
00:17:06: So entstand die Melancholie als Begriff.
00:17:10: Also man war damals sehr in einem biologischen
00:17:14: Kontext bei der Erklärung einer Depression.
00:17:19: Die waren ganz auf der richtigen Spur und dann hat es
00:17:23: eben eine Wende gegeben,
00:17:25: in der man immer wieder das Geistige da hat die Religion
00:17:28: auch mit einer Rolle gespielt,
00:17:30: in der man das Geistige vom Körperlichen getrennt hat.
00:17:33: Das Gipfelte in dem Leib Seele Dogma von René
00:17:38: Descartes der gesagt hat, es gibt zwei Substanzen,
00:17:42: das ist Körperliche,
00:17:44: die Res Extensa und es gibt das Geistige,
00:17:46: die Res Kugitans und diese,
00:17:49: das hat natürlich dann eine Zweiteilung
00:17:53: da sehr nach vorne gebracht mit großem Schaden,
00:17:58: weil man hat dann gesagt, ja das muss man alles mehr
00:18:01: so spirituell oder durch Gespräche oder das lösen
00:18:05: und nicht durch eine
00:18:10: Neurowissenschaftlich fundierte Behandlung.
00:18:13: Wobei Neurowissenschaft und Psychotherapie schließen sich ja
00:18:16: nicht aus, denn auch die Psychotherapie arbeitet ja mit und
00:18:20: an Nervenzellen,
00:18:23: weil das geht ja irgendwie über unsere Ohren und Augen ins
00:18:26: Gehirn rein und wird dort verarbeitet und Medikamente
00:18:30: machen das gleiche.
00:18:31: Aber man kann diese Zweiteilung die man lange hatte,
00:18:35: das war,
00:18:37: als ich nach Freiburg berufen
00:18:41: wurde, da hat sich am ersten Tag
00:18:44: ein Mensch,
00:18:46: ein Patient suicidiert das hatte mit mir überhaupt nichts zu
00:18:49: tun, aber die Badische Zeit hat dann gleich geschrieben,
00:18:52: der Chemiker, der jetzt auf dem Lehrstuhl für Psychiatrie
00:18:57: sitzt und hat das dann so in Zusammenhang gebracht,
00:19:01: der erste hat sich schon umgebracht deswegen,
00:19:02: das war noch ganz schwer getrennt,
00:19:06: hier sind die warmherzigen samtwörtigen Psychotherapie und
00:19:10: hier sind die groben Chemiker,
00:19:12: da mit der Pillenkeule zuschlagen und das ist ja
00:19:16: alles auch erst
00:19:17: so 30 Jahre her und da hat sie sehr viel getan in der
00:19:21: Richtung, das ist wirklich besser geworden und heute ist es
00:19:24: auch für jeden Psychotherapie völlig klar,
00:19:28: er genauso im Bereich der Neurowissenschaft sich
00:19:33: bewegt und viel geholfen hat natürlich auch die
00:19:37: Methoden, wir können heute sehr viel bestimmen,
00:19:41: was da im Gehirn passiert, man hat die Bildgebendverfahren,
00:19:46: man hat die Genetik,
00:19:47: die ja auch eine ganz große Rolle bei der Versachlichung
00:19:52: der psychischen Erkrankungen spielt und man hat eine
00:19:55: Pharmakologie, die völlig neue Wege gehen kann. Im
00:19:58: Jahr 2010 haben Sie gemeinsam mit Carsten Maschmeyer eine
00:20:01: Firma gegründet, das Unternehmen HMNC Brain Health,
00:20:06: wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
00:20:08: Es ist ja bekannt,
00:20:10: Carsten Maschmeyer war erstmal Patient bei mir und als er
00:20:14: wieder gesund war,
00:20:15: haben wir uns zusammengesetzt und überlegt,
00:20:17: was kann man denn tun, um die Pharmakotherapie
00:20:22: der psychischen Erkrankungen zu verbessern und dann habe ich
00:20:25: ihm erklärt,
00:20:26: dass man auf akademischen Wegen an Universitäten
00:20:30: und Max-Bank-Institut dann schon auf
00:20:35: völlig neue Ideen kommt, neue Zielstrukturen identifiziert,
00:20:39: wo ein Medikament eingreifen könnte,
00:20:43: aber man kann dann vielleicht auch noch eine kleine Studie
00:20:46: mit Patienten machen, die das bestätigen,
00:20:49: wenn man damit dann hoffnungsvoll zur Big Pharma
00:20:54: geht und sagt,
00:20:55: wir haben jetzt hier was grundlegend Neues da wäre doch
00:20:59: mal auch Zeit,
00:21:01: dass man auch was grundlegend Neues auf den Markt bringt,
00:21:04: weil man doch bislang immer nur Medikamente auf den Markt
00:21:08: gebracht hat, die fundamental das Gleiche machen wie
00:21:11: diejenigen, die man in den 1950er Jahren
00:21:15: entwickelt hat und alle Nachkömmlinge
00:21:20: sind nicht grundlegend anders,
00:21:23: nur von Big Pharm hörst du dann, ja das ist noch zu früh,
00:21:28: haben sie nicht noch mehr klinische Daten und so weiter und
00:21:31: so weiter, das ist uns zu riskant,
00:21:34: da machen wir lieber weiter so, more of the same,
00:21:39: so wie die Baseballmütze, one size fits all,
00:21:43: muss ein bisschen hinten da was verstellen und das
00:21:48: war dann, hat der Marshall gesagt,
00:21:51: ja was müssen wir dann machen, da habe ich gesagt,
00:21:53: ja wir müssen eine Firma haben, eine Brücke zwischen dem,
00:21:58: wo akademische Forschung aufhört und wo
00:22:03: Big Pharm Forschung anfängt,
00:22:05: da müssen wir eine Brücke bauen und ja und da haben wir
00:22:09: diese Firma gegründet,
00:22:11: ich bin dann nach 25 Jahren aus dem Max-Planck-Institut
00:22:14: raus, obwohl ich noch bisschen länger hätte bleiben können,
00:22:17: aber es ist immer besser man geht ein bisschen
00:22:18: früher als zu spät.
00:22:20: Wenn alle noch sagen, wie schade ist es dass sie gehen,
00:22:22: was in ihrem Fall der Fall war.
00:22:24: Ja das ist also immer besser, macht das
00:22:26: so rum und war dann Geschäftsführer dieser Firma und man hat
00:22:31: die ganzen Patente rausgeholt und am Anfang war das sehr
00:22:36: schwierig,
00:22:37: weil man da ja auch mit der Gewinnung von professionellen
00:22:41: Mitarbeitern also schon Mühe hat,
00:22:44: weil das ist doch für viele ein bisschen noch sehr riskant,
00:22:47: was fundamental neu ist, zwei, drei Leute und so,
00:22:51: also aber allmählich ist es gewachsen und wir haben da einen
00:22:55: Wissenschaftler gehabt,
00:22:57: den habe ich aus der DDR rausgeholt
00:23:01: damals, zwar nicht mehr DDR,
00:23:04: aber der kam dann zu uns und er ein tolles
00:23:07: Tiermodell, nämlich er hat
00:23:11: Ratten gehabt,
00:23:13: die erhöhte Angst haben und durch Züchtung
00:23:18: hatte er einen Stamm solcher Ratten
00:23:21: generieren können und da hat man gefunden,
00:23:24: dass die vermehrt Vasopressin produzieren in
00:23:28: depressionsrelevanten Hirnarealen,
00:23:29: also depressionsrelevant muss ich sagen,
00:23:33: da hat die Ratte keine Depression und vermutlich nicht,
00:23:36: wir werden das nie rausfinden, aber Angst hat sie,
00:23:40: das kann man leicht messen und dann haben wir das
00:23:43: festgestellt, dass sie das machen und dann haben wir auch
00:23:46: festgestellt, wenn man denen ein Medikament gibt,
00:23:50: kein Medikament im engen Sinne, sondern ein Molekül gibt,
00:23:54: das diese Wirkung von Vasopressin blockiert,
00:23:58: dann ist die Angst weg und das hat sich dann auf Ruhm
00:24:02: gesprochen, die Firma Sanofi hat dann in
00:24:06: den 2000er Jahren haben wir dann ein Medikament
00:24:11: entwickelt, von dem sie der Meinung waren,
00:24:14: das ist jetzt ein neues Medikament,
00:24:17: das einen fundamental anderen Mechanismus hat,
00:24:20: die Blockade von diesem Molekül, dem Vasopressin,
00:24:25: da haben sie jetzt Studien gemacht, vier Stück,
00:24:27: waren alle nicht ganz schlecht,
00:24:30: aber auch nicht toll und dann hat das Management von Sanofi
00:24:33: gesagt, das lohnt sich nicht für uns,
00:24:38: das uns zu riskant, die vier Studien, waren
00:24:41: so halbwegs nicht richtig schlecht aber auch nicht toll
00:24:46: und dann bin ich auf Sanofi zugegangen und habe
00:24:50: gesagt, ja, aber ihr übersieht eines, Menschen,
00:24:55: die eine Diagnose Depression haben,
00:24:58: müssen deswegen noch lange nicht alle den gleichen
00:25:01: Krankheitsverursachern Mechanismus haben oder platt gesagt,
00:25:06: nicht jeder Depressive hat ein Vasopressin Problem.
00:25:09: Also, wenn ihr jetzt eine Studie macht mit 100 Patienten
00:25:14: in der einen Gruppe und in der anderen Gruppe Placebo und in
00:25:17: der Gruppe, wo ihr euren Vasopressin Blocker einsetzt,
00:25:21: haben nur 20 Prozent ein Vasopressin Problem,
00:25:24: dann werden 80 Prozent ein unwirksames Medikament bekommen
00:25:27: haben, das kann nicht besser sein als Placebo im
00:25:31: statistischen Mittel.
00:25:33: Ja, das hat einige Zeit gedauert,
00:25:36: bis das da gefruchtet ist und dann
00:25:40: haben sie, dann haben wir dann verhandelt,
00:25:44: dann hat denen das zu lange gedauert, uns auch,
00:25:47: dann haben sie das abgebrochen und erst als unser Patent in
00:25:52: Japan veröffentlicht wurde, bekomme ich einen Anruf,
00:25:55: ich noch interessiert sei.
00:25:58: Wir sind im Jahr 2014,
00:26:01: so lange ist das her und dann,
00:26:04: aber ich bin dann wenn ich was ganz fest glaube,
00:26:07: gebe ich nicht leicht auf.
00:26:09: Dann haben wir das weitergemacht und weitergemacht und haben
00:26:11: dann einen mithilfe einem hervorragenden,
00:26:15: vielleicht einem der besten überhaupt Genetiker,
00:26:17: der bei Max Planck war, jetzt bei uns in der Firma ist,
00:26:21: da haben wir einen Test entwickelt,
00:26:23: einen genetischen Test weil ich sagte,
00:26:25: wir müssen einen Test haben,
00:26:27: mithilfe dessen wir herausfinden können,
00:26:30: wer ein Vasopressin Problem im Gehirn hat.
00:26:34: Wir können ja nicht eine Hirnprobe entnehmen,
00:26:37: sondern wo es wahrscheinlich ist,
00:26:38: dass bei ihm das wirken wird und dann haben wir diesen Test
00:26:43: gehabt und haben diesen Test jetzt dann eingesetzt in einer
00:26:47: Studie an Patienten mit
00:26:50: Depressionen und dann die einen Platz,
00:26:53: die bekommen die anderen, diesen Vasopressin-Blocker,
00:26:58: den alten,
00:26:59: und war ein fantastisches Ergebnis,
00:27:03: die waren mehrheitlich schon statistisch signifikant nach
00:27:07: einer Woche besser und sind einfach besser angesprochen als
00:27:11: auf alles andere.
00:27:13: Nun, ist man natürlich zunächst mal in einer Hochstimmung,
00:27:16: aber man muss natürlich sagen,
00:27:19: wir sind da in der klinischen Entwicklung halt noch nicht
00:27:22: so weit, dass wir sagen können,
00:27:23: es kommt da und da auf den Markt,
00:27:25: jetzt müssen noch große sogenannte Zulassungsstudien
00:27:28: durchgeführt werden und die können wir natürlich nicht
00:27:31: bezahlen, das sind ja alles hohe zweistellige
00:27:33: Millionenbeträge und jetzt hoffen wir,
00:27:36: dass dann eine Big Farm dann auch einsteigt und da sind
00:27:40: schon Verhandlungen gegangen.
00:27:42: Ich kann da noch nicht darüber reden, wer,
00:27:44: aber es ist ja auch nicht schwer zu erraten,
00:27:47: also dann hoffen wir,
00:27:48: dass wir dann Zulassungsstudien machen können und dann
00:27:51: müssen wir sehr hoffen, dass wieder ein
00:27:53: so gutes Ergebnis rauskommt und dann geht es auf seinen Weg.
00:27:56: Ich drücke die Daumen Wer sowas macht, muss dran glauben,
00:28:00: sie tun es und es ist großartig das zu sehen,
00:28:03: weil sie mit ihrer Erfahrung,
00:28:05: ihren wirklich weltweit gerühmten Kenntnissen
00:28:09: da uns hoffentlich da neue Hilfen bringen
00:28:14: können oder all den Menschen,
00:28:16: die eben unter diesen Depressionen leiden.
00:28:18: Ich denke, viele, viele warten darauf.
00:28:20: Wer eine solche lange Strecke dann auch geht,
00:28:22: der braucht auch eine bestimmte Vision.
00:28:25: Was ist Ihre?
00:28:27: Nun, meine Vision ist, ganz einfach gesagt,
00:28:31: die Depression ist eine heilbare Krankheit und
00:28:36: wir haben Medikamente,
00:28:40: die es jetzt gibt, die sind okay,
00:28:43: aber sie wirken bei zu wenigen,
00:28:45: sie brauchen zu lange bis sie wirken und haben zu viele
00:28:47: Nebenwirkungen.
00:28:48: Das kann es nicht sein und mein
00:28:53: vornehmliches Ziel ist,
00:28:56: nur jemandem ein optimales Medikament zu geben
00:29:01: im Sinne der personalisierten Medizin,
00:29:04: sondern das nächste Ziel ist, sie zu verhindern,
00:29:08: wenn ich nämlich durch eine Vielzahl von Biomarkern
00:29:11: herausfinden kann, wer eine Neigung,
00:29:15: eine Risiko zur Depression hat, dann ist es doch besser,
00:29:18: ich verhindere sie und bewege mich weg von der
00:29:22: Reparaturmedizin hin zur Präventivmedizin.
00:29:25: Das ist das höhere Ziel hier und ich glaube,
00:29:27: ob ich es selber noch erreiche, ich nicht,
00:29:30: da bin ich vielleicht schon zu alt dazu, aber ich glaube,
00:29:33: der Weg ist gebannt.
00:29:35: Auf diesem Weg kann man weggehen von der Reparaturmedizin,
00:29:39: das ist dann nur noch ein Notfall,
00:29:41: sondern hingehen zur Präventivmedizin und es ist ja auch
00:29:44: nichts völlig Neuartiges.
00:29:48: Wenn ich erhöhte Blutfette habe,
00:29:50: dann warte ich auch nicht,
00:29:55: ich nehme halt etwas, was diese Blutfette sinkt.
00:30:00: Und so kann ich mir das auch auf weite Sicht bei der
00:30:04: Depression vorstellen.
00:30:05: Studien haben gezeigt, dass ein besonderer Wirkstoff
00:30:08: besondere Wirkung hat, Nelivabtan.
00:30:12: Was hat es damit auf
00:30:13: Sich? Nun, das Nelivabtan
00:30:14: ist ein Medikament,
00:30:16: das selektiv an einen ganz bestimmten im Hirn
00:30:21: zuständigen Rezeptor von Vasopressin bindet und verhindert,
00:30:24: dass das Vasopressin binden kann.
00:30:27: Und damit kann das Vasopressin nicht seine Depressions und
00:30:31: Angstsymptome hervorrufen.
00:30:34: Und für welche Patientengruppen kann dieses Nelivabtan
00:30:37: besonders relevant sein?
00:30:39: Also für Patienten mit Depressionen vor allem auch
00:30:44: für die sogenannte therapieresistente Depression.
00:30:46: Das ist die, wo man nach zwei drei Therapiezyklen mit den
00:30:50: gängigen Antidepressiva nicht weitergekommen ist.
00:30:54: Aber ich kann mir auch vorstellen,
00:30:55: dass es später mal vorbeugend sein kann
00:30:59: bei Menschen, die eine solche Angststörung haben.
00:31:04: Und ich kann mir vor allem auch vorstellen,
00:31:07: jetzt kommen wir wieder auf unser Ausgangsthema zu,
00:31:10: dass sich bei Menschen die eine Traumaerfahrung gemacht
00:31:13: haben,
00:31:14: präventiv schon mal ein solches
00:31:19: Vasopressin-Rezeptor-Blocker so heißt das.
00:31:22: Und Nelivabtan anwenden.
00:31:25: Ich mir davon aus, dass diese Studienergebnisse weiter
00:31:28: positiv sind.
00:31:31: Und welche Schritte sind dann als nächstes
00:31:33: Gepaart? Nun
00:31:34: die nächsten Schritte werden sein,
00:31:36: dass wir erst mal Mittel bekommen,
00:31:39: um große Zulassungsstudien zu machen.
00:31:42: Und wenn das der Fall ist,
00:31:45: dann wird irgendwann mal das Medikament auf den
00:31:47: Markt kommen.
00:31:48: Aber da bin ich auch vorsichtig,
00:31:51: eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
00:31:53: Und deswegen halte ich mich sehr zurück,
00:31:56: jetzt hier schon zu meinen,
00:31:57: dass hier eine Lösung gefunden ist.
00:32:02: Aber bisher sind die Ergebnisse halt doch ermutigend.
00:32:06: Sie sind für mich ein großes Vorbild in dem Sinne,
00:32:09: dass Sie natürlich ein unglaubliches Maß an Wissen
00:32:13: akquirieren, akquiriert haben, aber weiter akquirieren,
00:32:17: dass Sie das großartig ausdrücken können,
00:32:20: wovon wir heute sehr profitiert haben, vielen Dank,
00:32:23: erklären können, mit einem besonderen Charme,
00:32:25: aber vor allen Dingen mit einem ja immer da
00:32:30: seienen Optimismus,
00:32:32: trotz aller Ernsthaftigkeit des
00:32:35: Themas,
00:32:37: mit dem Sie sich ja Ihr Leben lang in verschiedenster Form
00:32:41: hochwissenschaftlich, therapeutisch,
00:32:44: begleitend, unternehmerisch beschäftigt haben.
00:32:49: Und ich frage mich manchmal wie geht das?
00:32:51: Also wie kann sich jemand mit dieser Schwere auf der einen
00:32:54: Seite auseinandersetzen, den Depressionen,
00:32:57: den psychischen Erkrankungen, therapeutisch wirksam sein,
00:33:01: hilfreich sein,
00:33:02: so viel da reinsetzen und eine solche optimistische und
00:33:07: positive Ausstrahlung haben?
00:33:09: Was ist da Ihr Geheimnis?
00:33:12: Also ob ich ein Geheimnis habe, weiß ich nicht.
00:33:14: Ich würde es auch gerne lüften.
00:33:16: Auf alle Fälle bin ich wahrscheinlich jemand,
00:33:19: der schon alles in allen Fragen gesehen hat
00:33:23: und auch selber Widrigkeiten überwinden musste.
00:33:28: Auf der anderen Seite schaue ich auf mein Leben
00:33:32: zurück, das ein Privilegiertes war.
00:33:37: Ich denke dabei immer an meinen Vater,
00:33:39: der 1905 zur Welt kam,
00:33:43: als er 40 war,
00:33:45: zwei Weltkriege hinter sich hatte und als er Anfang 50 war,
00:33:48: starb.
00:33:51: Da ist mein Leben einfach doch sehr viel glücklicher
00:33:55: verlaufen.
00:33:56: ich erfreue mich jetzt immer noch.
00:33:59: Na ja, man hat natürlich mit 80 dann auch schon ein paar
00:34:02: Zipperleine aber das ist ja auch in Ordnung.
00:34:05: Ich kann damit aber gut umgehen und ich erfreue mich
00:34:07: natürlich zweier Dinge.
00:34:09: Einmal im privaten Bereich, meine kleine Familie,
00:34:14: die mich sehr glücklich macht,
00:34:15: aus der ich viel Kraft beziehe,
00:34:17: aber auch einen großen Freundeskreis.
00:34:20: Gebe zu, ich feiere gerne.
00:34:22: Wir immer so einen Tisch auf dem Otoberfest gehabt oder
00:34:26: dieses Jahr haben wir weil ich 80 wurde,
00:34:28: eine Riesenparty gefeiert mit über 100 Leuten.
00:34:31: Die war auch ziemlich gut. Das mache ich auch gerne.
00:34:35: Ich schöpfe aus der Familie und aus dem Freundeskreis im
00:34:38: privaten Bereich schon Kraft,
00:34:41: aber ich beziehe schon auch Kraft
00:34:46: aus dem wissenschaftlichen Erfolg.
00:34:49: Denn man muss sich vorstellen, wenn man Jahrzehnte,
00:34:51: ein ganzes Leben dieser Frage wie kann ich die
00:34:55: Depressionsbehandlung verbessern, gearbeitet hat und
00:35:00: so am Ende der Karriere ist dann doch
00:35:02: so ein Silberstreif oder ein Licht am Ende des Tunnels zu
00:35:06: sehen, dann ist das auch schon auch sehr beglückend.
00:35:09: Und wir sind da bescheiden,
00:35:12: Sie haben es ein bisschen anklingen lassen,
00:35:14: Sie haben vielen, vielen Menschen geholfen,
00:35:17: die ihre Depression zu überwinden,
00:35:19: nicht nur mit Medikamenten,
00:35:21: sondern auch mit sehr fachkundigen begleitenden Gesprächen
00:35:24: und Therapien, die da aufeinander abgestimmt waren,
00:35:27: berühmten Menschen.
00:35:28: Einige haben wir erwähnt und vielen anderen auch die einen
00:35:32: weniger klangvollen Namen hatten.
00:35:35: Aber alle sind sicherlich sehr sehr dankbar,
00:35:37: dass Sie mit Ihren Sorgen und Nöten zu Ihnen haben kommen
00:35:42: können, dass Sie eben bei Ihnen in guten Händen waren
00:35:45: und sind.
00:35:46: Und wir danken Ihnen ganz ganz herzlich für dieses
00:35:48: wunderbare Gespräch, Herr Professor Holzboer.
00:35:49: Dankeschön. Ich danke Ihnen.
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